Wineman Yard

Die ersten Erfahrungen aus dem Bau und dem Betrieb meiner ersten NTrak-Module waren durchaus positiv. Aber es ist halt etwas schwierig, wenn man etwas abseits der NTrak-Kollegen in Deutschland wohnt. Diese Module sind nicht mal eben unter den Arm geklemmt und los. Und für mich alleine ist alleine die Anzahl und der Platz für eine ansprechende Anlage nicht machbar.
Aber mein Kollege Gert Weinmann hatte auf einer unserer jährlichen Jamborees seine H0-Rangieranlage "Violet Short Line" dabei. H0 ist nun auch nicht unbedingt ein platzsparender Maßstab, aber die Idee mit dem Rangieren gefiel mir. Das kann man auch alleine machen; und wenn man die Gleise und Anschlüsse richtig plant, kann man das in NTrak einbinden. Das muss doch auch in N machbar sein.

Vorbild
Ein konkretes Vorbild habe ich nicht gesucht. Ich wollte nicht an irgendwelche Zwänge oder Notwendigkeiten gebunden sein. Daher machte ich mich im Netz auf die Suche nach Inspiration... und ich fand im TrainBoard-Forum etwas. (ACHTUNG: Das Bild ist um die mittlere senkrechte Achse gespiegelt; darum etwas schwierig zu lesen)

Da konnte man sich doch richtig austoben. Und die meisten Weichen hatte ich dann auch schon. Somit also auch überschaubar, was die Kosten angeht.

Die Module
Diesmal habe ich einen Tischler aus der Gegend herangezogen, der mir aus einer Tischlerplatte dann Teile für 4 Module von 1,00m x 0,60m sägte. Diese habe ich dann auch ohne Probleme zusammengebaut und nun musste ich nur noch auf meinen Kollegen Gert warten, der mir helfen wollte, da ich mich noch nicht sicher genug fühle, den Gleisbau zu einem vernünftigen Ergebnis zu führen.

Wir haben dann auch knappe 3 Tage damit zugebracht, den Plan annähernd umzusetzen. Das Ganze erstreckt sich über 3 Module. Herausgekommen ist am Ende dieses hier (geplante Gebäude sind da schon eingezeichnet):


Das Gestrichelte zwischen den Mainlines wird mit Gleisresten zu einem toten Gleis ausgestaltet, auf dem noch ein paar alte Boxcars stehen, in dem Landstreicher eine Unterkunft gefunden haben.

Herzstück-Polarisierung
Beim Bau der Anlage haben wir auch gleich mal etwas neues für die Polarisierung der Weichen-Herzstücke ausprobiert. Es war einfach ein Versuch, aber es funktioniert sogar. Über die Notwendigkeit die Herzstücke zu polarisieren und wie man an den Weichen vorgeht, gibt es (Link) im Netz genug Material, daher befasse ich mich damit nicht weiter. Dem Laien sei gesagt, dass man sich in Bezug auf die sichere Stromversorgung in der Weiche und auch gerade bei Digitalbetrieb eine Menge Ärger spart, wenn man die Herzstücke entsprechend umbaut. Bei Fragen bitte hier Kontakt aufnehmen.

Nach dem guten Grundsatz "keep-it-short-and-simple" (halt es kurz und einfach) sind wir auch hier vorgegangen. Aber im Gegensatz zu den ersten Modulen haben wir auf Schubstangen oder Kippschalter an der Modulfront bzw. auf dem Modul verzichtet. Was wir gemacht haben, ist das hier (vereinfachte Darstellung):



Wir haben einen ziemlich steifen Messingdraht mit 1,5mm Durchmesser genommen und durch einen 6mm Holz-Rundstab gesteckt. Damit der Draht nicht wieder herausfällt, wurde der Draht an einem Ende etwas breit geklopft, dann durch den Holz-Rundstab gezogen, bis der breite Teil im Holz stecken blieb. Zwei kleine Holzstücke mit 6,5mm Bohrung, die als Führung für den Rundstab dienen, wurden unter der Platte befestigt. Das Ganze natürlich so ausgerichtet, dass der Messingdraht oben durch die Öffnung der Stellschwelle bei der PECO-Weiche gesteckt werden konnte und diese den Draht bei der Bewegung auch mitnahm.

Und nun kam der etwas fummelige Part. Der Umschalter (im Original liegend montiert) für das Herzstück musste so eingebaut werden, dass er entsprechend der Lage der Weiche und der Stellung des Drahtes umschaltete.
WICHTIG: Das funktioniert meines Wissens nach nur mit PECO-Weichen. Diese Weichen haben eine sehr starke Feder, die eigentlich dazu dient, die Weichenzunge in der jeweiligen Lage zu halten. Aber sie ist auch stark genug, dass dieser Schalter ebenfalls von der Feder gehalten wird. Dazu muss man natürlich aber einen Schalter nehmen, der schon auf wenig Druck reagieren kann. Ich habe die von Elektro Reichelt (ArtNr.: MAR 1050.5202) genommen und bisher gute Erfahrungen damit gemacht.

Jetzt noch die Stromversorgung und das Herzstück anlöten; fertig.

Vorteile:
- keine Schalter oder Schubstangen, die an den Seiten überstehen (kein hängenbleiben oder abbrechen, wenn das Modul mal auf die "falsche" Seite gestellt wird)
- experimentierfreudige Besucher (was passiert, wenn ich hier ziehe?) sind auch kein großes Problem mehr
- einfache Konstruktion; wenn mal was nicht funktioniert, kommt man leicht dran und kann einfach Teile tauschen
- nachträglich kann man noch Stellhebel auf dem Modul andeuten

Nachteil:
- diese Art der Schaltung macht es notwendig, dass man die Weichen von Hand bzw. -so wie ich- über ein Stäbchen bedienen muss. Was bei meiner Rangieranlage nicht ganz so problematisch ist, weil ich mit dem Stäbchen auch gleichzeitig die Wagen trenne
- das funktioniert bisher nur mit PECO-Weichen, welche nicht unbedingt jedermanns Geschmack und vielleicht auch Preisklasse sind (sollte jemand andere Weichenhersteller kennen, wo das funktioniert -> Kontakt)


Modulübergänge
Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass die Gleise an den Modulkanten teilweise nicht im rechten Winkel enden. Das war auch so ein Punkt, der mir kopfzerbrechen machte. Darum war auch dankbar für die Hilfe eines erfahreneren Mitglieds. Da die Konfiguration der Anlage durch den Bauplan nicht beliebig erfolgen kann, wurden die Gleise in voller Länge verlegt, danach an den Modulenden fest verlötet und dann erst getrennt.

Und auch hier sind wir in den Augen einiger Anlagenbauer wieder sehr unorthodox vorgegangen. Auf vielen Webseiten findet man den Hinweis, dass man MessingSCHRAUBEN nehmen soll. Die grundlegende Idee (fest verlöten) ist für mich okay. Aber ich nehme dafür lieber Messingnägel. Wieso Nägel?

Ganz einfach: Eine Schraube drehe ich in das Holz. Dann sitzt sie (hoffentlich) fest. Und dann löte ich die Gleise darauf fest. Was bedeutet, ich nehme mir jede Möglichkeit, die Höhe später zu variieren. Das Modul an sich besteht aber wiederum aus Holz. Und Holz arbeitet. Da kann man lackieren, imprägnieren so lange man will... es bleibt dabei: Holz arbeitet. Und wenn sich die Modulkanten etwas verziehen, muss ich das Ganze Modul neu ausrichten.

Darum nehme ich Nägel. Nicht die ganz kurzen und ruhig ein breiter Kopf. In das Holz rein und dann die Gleise festlöten. Das hat jetzt gegenüber den Schrauben den Vorteil, dass ich das Gleis immer noch in der Höhe variieren kann, wenn das Modul sich auf einer Ausstellung oder bei mir zuhause durch Luftfeuchtigkeit, Temperatur etc. etwas verzieht.

Konzept
Darüber lasse ich mich dann in Kürze weiter aus... bis dahin.



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