Baubericht 1
01.11.2008 Es soll endlich losgehen


Seit Frühjahr 2008 habe ich nun die Bausätze für 6 Module bei mir liegen und die setzen nun doch so langsam Staub an.
Aber es war auch viel zu tun... und immer wenn doch Zeit war, fiel ein Brett auf die Fernbedienung des Fernsehers und die
8 Stunden Doku über das Liebesleben der Nacktschnecken im Winter war sooo viel interessanter.

Ich musste der Wahrheit ins Auge sehen: Ich hab mich gedrückt.

Aber der Hausfrieden drohte nun doch allmählich Schaden zu nehmen... dann also los. Zuerst aber mal ein paar allgemeine Worte:

1. Warum USA?
Diese Frage war für mich eigentlich schnell beantwortet. Deutschbahn ist mir persönlich nicht interessant genug. Fast jeder in meinem
Bekanntenkreis, der eine Modellbahn hat, fährt deutsch und irgendwie hatte ich mich daran satt gesehen.
Eine gewisse spezifisch, sensorische Sättigung setzte bei mir ein.
Des weiteren kam dazu, dass ich ein großer Fan von Railroad Tycoon bin. Ein recht simples Computerspiel, welches aber irre viel
Spaß macht(e). Dabei kam ich überhaupt erst auf die Idee, mich mit dem Thema Amerika und Modellbahn auseinander zu setzen.

Und als notorischer Querulant: Warum auch nicht anders sein als die anderen?

2. Woher Informationen bekommen?
Die Begriffe USA und Modellbahn in eine beliebige Suchmaschine eintippen und schon hat man eine Menge Vorschläge. Ich bin im
US-Modellbahnforum.de hängen geblieben. Etwas rauher Ton manchmal, aber viele kompetente Leute die einiges an Wissen
und Erfahrungen mit dem Thema US-Modellbahnen haben.

Die ersten Tage habe ich einfach mal mitgelesen und Gebrauch von der Suchfunktion gemacht.

Dabei bin ich dann auch auf Literatur gestoßen, die mich in diesem Thema etwas weitergebracht hat. Ich möchte es gern als Hilfe
aufführen, da einem hier in recht lockerer Schreibweise die Hintergründe und die Geschichte der amerikanischen Eisenbahn kurz aufge-
zeigt werden. Darüber hinaus erhält man einen Einblick in die Unterschiede zwischen "unserer" deutschen Bahn und den amerikanischen Bahnen.
Mein Tipp daher: Martin Stierlen - Amerikanische Eisenbahn im Modell

3. Welcher Maßstab darf es oder muss es sein?
Da scheiden sich die Geister. Ich muss sagen, dass H0 äußerst reizvoll ist. Groß, schwer und -vom richtigen Hersteller gekauft und
mit einigen Zusatzteilen- sehr schön detailiert. Die Auswahl an Modellen ist hier immer noch etwas größer als in Spur N.
ABER: H0 braucht Platz (H0 = Horribly Oversized). Wenn man wie ich ein Fan langer Güterzüge ist, dann ist H0 bei einer festen
Anlage ein Problem, wenn man nicht eine ganze Scheune sein Eigen nennen kann.

Module (siehe weiter unten) entspannen die Situation der Anlagenunterbringung in H0 etwas; trotzdem - aufgebaut braucht man für lange
Güterzüge viel Platz damit die auch entsprechend wirken. Platz, den ich nunmal nicht habe.

Eine kurze Frage- und Antwortrunde im US-Modellbahnforum und das befolgen der vielen Links zu dem Thema brachte mich schließlich zu Spur N.
Spur N bietet heutzutage schon viele Modelle in guter Qualität. Die kleinen Loks können auch schon richtig was ziehen und die Modelle sind
für die Größe ordentlich detailiert.
Daher meine Entscheidung für die Spur N.

4. Was baue ich denn nun? Module oder feste Anlage?
Mit dieser Frage tat ich mich von Anfang an schwer. Eigentlich wollte ich in urtypisch deutscher Tradition eine feste Anlage bauen. Bei
amerikanischen Modellbahnen stellte sich das aber im Allgemeinen als eher hinderlich heraus, aufgrund der oben schon angesprochenen
Länge der Züge.
Ich möchte lange Güterzüge fahren. Da benötigt man in auch Spur N Platz, für denselben Effekt aber weniger als in H0. Wenn man aber ein
Mietshaus von etwas über 100 qm mit einer (wenig zugbegeisterten) Ehefrau und einem (glücklicherweise zugbegeisterten) 2-jährigen Sohnemann
teilt, tun sich zwangsläufig Platzprobleme auf.

Hinzu kommt: Ich miete das Haus. Irgendwann ziehe ich vielleicht auch aus. Und dann??? Die Anlage zerteilen um sie dann in Stücken und
völlig neu zusammenzusetzen? Was dann am Ende so zusammengestückelt und komisch aussieht, dass ich irgendwann die Wut kriege und
das Ding abreisse um es wieder neu aufzubauen??? NEIN.

So kam ich also mit der Idde einer festen Anlage nicht wirklich weiter. Somit schaute ich mir das -bis dahin vollkommen ignorierte- Kapitel
über den Modulbau in dem o.g. Buch einmal an. Es eine Offenbarung zu nennen geht zu weit, aber die Idee einer Modulanlage gewann immer mehr
ihren Reiz. Ich ließ den Gedanken noch ein paar Tage in meinem Hinterkopf reifen und dann stand fest:

Module sind für meine Zwecke praktischer.

Ein weiterer Vorteil. Mit ein paar Modulen kann man selber was machen und wenn sich ein paar Leute treffen, kann aus vielen Modulen eine
riesige Anlage werden.

Und zuguterletzt: Man kommt raus unter Gleichgesinnte.

5. Module nach Norm? Wenn ja, welche Norm?
Modulnormen gibt es viele. Ich suchte nach etwas, wo ich US-Bahnen fahren lassen kann und auch immer mal mehrere Leute zusammenkommen.
Ich bin bei zweien hängengeblieben:

a) americaN
b) NTrak

Um die einzelnen Unterschiede auszumachen sollte sich jeder mal bei den entsprechenden Seiten umschauen und vielleicht auch mal ein Treffen
dieser Vereine besuchen.Ich habe mit beiden Seiten gemailt und auch gesprochen; gebissen hat mich keiner.

Für mich gab es im Kern zwei Unterschiede:

americaN -> hier wird versucht, einen möglichst realistischen Bahnbetrieb nachzubilden. Die meisten Module sind eingleisig, es gibt Fahrpläne
und einen Dispatcher, der den einzelnen Zügen Anweisungen erteilt, Strecken freigibt etc. Eigentlich alles, wie bei den Großen.
Wenn man da mittendrin ist, also mitfährt, ist das schon ein Erlebnis und ist durchaus kurzweilig.
Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil -vor diesem Betriebshintergrund- eher wenig auf dem Gleis los ist.

NTrak -> hier ist dann eher das Fahren langer Züge der Kern der Sache. Die Norm gibt 3 Gleise vor und darauf wird gefahren. Meistens auf dem
außenliegenden und dem mittleren Gleis analog, auf dem innenliegenden meistens digital. Dort kann man dann auch der Rangierlust fröhnen,
ohne den ganzen Betrieb aufzuhalten.
Für mich war dieses Konzept interessanter, weil immer was los ist auf den Modulen.

Wie gesagt, das war MEIN Grund, NTrak zu wählen. Empfehlen kann ich nur, sich beides anzuschauen und dann zu entscheiden, was einem
mehr liegt. Beides hat seinen Reiz.

6. Module bauen. Aber wie?
Module baut man nach festgelegten Regeln, der sogenannten Modulnorm. Dies ermöglicht, dass alle nach den Vorgaben dieser Norm gebauten Module
zusammenpassen (sollten), unabhängig davon, wer diese Module gebaut hat.

Die Normen fand ich auf den NTrak Webseiten. Was ja erstmal kein Problem ist. Wenn man aber -so wie ich- handwerklich eher unbegabt ist, dann wird
die Situation schon schwieriger. Die Lage spitzte sich zu, weil ich aufgrund meiner handwerklichen Unbegabtheit auch keine vernünftigen Werkzeuge
zur Hand hatte.

"Was tun?" sprach Zeus.

Zuerst das Naheliegenste: Telefonbuch her, Tischler suchen. Dabei stellte ich aber sehr schnell fest: Handwerk hat goldenen Boden.
"Herr Sykora, Sie bekommen die Module zu einem Preis, der Sie überraschen wird." Oh ja, überrascht war ich.... (Begriffe aus: "Brehms Tierleben -
Die Familie der Paarhufer" kamen mir in diesen Tagen immer wieder in den Sinn.

Nachdem dann der erste Schreck verdaut und der Ärger verraucht war, kam mir eine andere Idee: Berufsschulen/Beschützende Werkstätten.
Die aber hatten wenig Interesse.

Kollege Zufall kam mir schließlich zur Hilfe. Bei einem unverbindlichen Treffen von NTrak-Mitgliedern in der Nähe von Celle ergab es sich, dass
ich Harald Brosch in die Arme lief. Auf seiner Website (die kannte ich da schon) fanden und finden sich viele Modulbausätze, aber bis dato
keine für NTrak...
Wir kamen ins Gespräch und er meinte, dass er bereit ist da mal was zu kalkulieren. Wieviel die Tischler haben wollten ist egal, aber bei Harald
bekam ich zwei Module zu einem Drittel des Preises, den die Tischler für ein Modul haben wollten.

Ich habe daraufhin zwei Streckenmodule bei ihm bestellt und kurze Zeit später hielt ich zwei Bausätze in der Hand für moderates Geld.

Der Zusammenbau gestaltete sich sogar für mich als durchaus lösbar und durch ergänzende Bestellung von 4 Eckmodulen bin ich
(bisher theoretisch) in der Lage, einmal rumzukommen, ohne immer auf andere Kollegen angewiesen zu sein.


Soviel zur Vorgeschichte... nun soll es losgehen

weiter geht es hier...


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